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Freitag, 24. September 2010

John Foxe’s Book of Martyrs

Eines der populärsten Werke neben der Englischen Bibel sowie dem Book of Common Prayer  im England des 16. und 17. Jahrhunderts war mit Sicherheit das Book of Martyrs von John Foxe (1516-87). Dieses Buch übte einen starken Einfluss auf die damaligen Menschen aus und prägte das nationale Bewusstsein. Viele Protestanten verehrten es sogar als „heiliges Buch“, dessen formaler Titel eigentlich Actes and Monuments of these Latter and Perillous Dayes, Touching Matters of the Church ist and welches zum ersten in England im Jahre 1563 erschien. Interessanterweise wurde dieses Buch neben der Bibel an vielen öffentlichen Orten (Kathedralen, Kirchen, Schulen, Bibliotheken und Gilde- oder Zunfthäusern) ausgelegt. In dem Buch selbst finden sich eine Menge Holzschnitte und eine Vielfalt an Genres wie z.B. Martyrologien, Gedichte, Reden, Traktate, Biographien, historischen Dokumente, spirituelle/religiöse Texte, und Briefe. Man kann das Werk von Foxe also als eine Art Sammlung bezeichnen. Foxe ist der ,Hauptautor’ oder Zusammensteller, wobei er dabei sicherlich viele Helfer hatte. 
Der in Oxford ausgebildete John Foxe offenbarte schon in den 1540er Jahren sehr starke protestantische bzw. evangelikale Ansichten und arbeitete u. a. als Privatlehrer, bevor er nach der Thronbesteigung der Katholikin Mary I auf den Kontinent flüchtete. Dort verfasste er eine erste Rohfassung seines bekannten Werkes auf Latein. In dieser Fassung werden die Geschichte der Reformation oder der reformatorischen Bemühungen in England geschildert (à von John Wyclif und den Lollards bis in die Zeit der englischen Reformation). Später veröffentlichte sein Verleger John Day in England die erste Ausgabe in Englisch. Sie war wesentlich umfangreicher und beinhaltete auch die Märtyrergeschichten zahlreicher Protestanten während der Regentschaft von Mary I in den Jahren 1553-58. Als Foxe in den Herrschaftsjahren von Elizabeth I in sein Heimatland zurückkehrte, trat er dem geistlichen Stand bei. Zwar wies er immer sehr extreme protestantische und anti-katholische Tendenzen auf, sprach sich aber – im Gegensatz zu vielen Geistlichen und weltlichen Herrschern im 16. Jahrhundert – strikt gegen die Verbrennung selbst von sturen Häretikern aus. Ein Beispiel dafür war sein erfolgloser Versuch in Form von Briefen (u. a. an die Königen persönlich), die Verbrennung von ein paar Anabaptisten zu verhindern.  
The Book of Martyrs beginnt mit einer Darstellung über frühe christliche Märtyrer, einer kurzen oder eigenwilligen Geschichte über die mittelalterliche Kirche sowie einer Ausführung über die Lollards. Anschließend wird über die Regentschaften von König Henry VIII und seinem Sohn Edward VI berichtet. Die Abspaltung der englischen Kirche von Rom wurde bekanntlich in dieser Zeit initiiert. Danach schildert das Buch die Verfolgung von Protestanten durch Marys Regime. Um das schreckliche Schicksal der verfolgten Protestanten bzw. der protestantischen Opfer möglichst anschaulich darzulegen, verwendet Foxe offizielle Unterlagen von ihren Prozessen, Berichte von Protestanten in Bezug auf ihre Verhaftungen und die Verhöre gegen sie, Briefe der getöteten protestantischen Menschen und Augenzeugenberichte über die Verbrennungen auf dem Scheiterhaufen. Die umgebrachten Menschen werden auf diese Weise natürlich zu Märtyrer ihres protestantischen Glaubens. Da das von der Elizabethanischen Regierung geförderte Buch – wie oben beschrieben – außerdem an öffentlichen Orten für die Allgemeinheit zugänglich gemacht wurde, änderte sich auch das Konzept der Heiligenverehrung. The Book of Martyrs  wurde nach dem Bildersturm der Reformatoren in einem gewissen Sinne zur symbolischen Reliquie, welche für die Nachwelt die heldenhaften Taten dieser sich für ihren Glauben aufopfernden Männer und Frauen aufbewahrt und gemäß der reformatorischen Kampagnen Heiligkeit mit der frühchristlichen Vorstellung des Martyriums als Zeugnis des Glaubens gleichsetzt. Dazu trugen auch die sich im Buch befindenden Illustrationen oder Holzschnitte bei. Diese zeigen zusammen mit den Dokumenten anders als die traditionellen Heiligenikonen häufig normale Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und Lebensbereichen inmitten ihres Martyriums. Auf den ersten Blick ist der Gebrauch von solchen anschaulichen Bildern in dem Werk eines überzeugten Protestanten aus dem 16. Jahrhundert ungewöhnlich. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass die frühen Reformatoren in erster Linie den angeblichen Missbrauch von Bildnissen anprangerten. Die detaillierten Illustrationen in The Book of Martyrs  repräsentieren darüber hinaus eine in damaliger Zeit typisch protestantische Überzeugung: Der durch die Hl. Schrift überlieferte Glaube gibt gewöhnlichen Individuen die Kraft trotz der Konfrontation mit Schmerzen, Leiden und Tod ihren Glauben zu bezeugen und somit als Vorbild für andere Gläubige zu dienen.
Insgesamt ist Foxes Buch nicht nur ein beabsichtigter Gegenentwurf zur traditionellen Sammlung zum Leben und Wirken von Heiligen (à The Golden Legend), sondern veranschaulicht außerdem die schrecklichen Leiden der protestantischen Märtyrer (à Selbst Elizabeth I integriert Foxe geschickt, wenn er sich auf die Märtyrer bezieht. Im Buch wird sie durch die Vorsehung von einer Gefangenen in Marys Herrschaftsjahren zur mächtigen Königin. Tatsächlich kerkerte man Elizabeth nach der Wyatt’s Rebellion im Jahre 1554 im Tower of London ein.) unter dem Regime der Katholikin Mary I und die damit verbundenen Grausamkeiten. Marys Regentschaft wird also als ein prototypisches Beispiel für päpstliche Tyrannei gesehen. Zusätzlich weist das Buch dem Katholizismus generell noch die üblichen Merkmale oder Klischees zu, wie Edward Norman in seinem Buch Roman Catholicism in England (1985) erkennt. So ist diese Konfession für Foxe von Natur aus korrupt, autoritär, fremdländisch und steht vor allem im absoluten Kontrast zur persönlichen Freiheit. Das genaue Gegenteil zum Katholizismus manifestiert sich selbstverständlich laut The Book of Martyrs  im Protestantismus. In diesem Kontext rechtfertigt es entschieden die Reformation, die neue „wahre“ Religion und beschreibt England wie Israel im Alten Testament als die von Gott auserwählte Nation. Passenderweise wird Elizabeth mit dem ersten christlichen Kaiser Konstantin verglichen. Zusammenfassend war das insbesondere bei Puritanern beliebte Buch von John Foxe für viele Leute in England über Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte (Editionen in England: 1563, 1570 („korrigierte“ Ausgabe nach Protesten u. a. von katholischen Lesern), 1576, 1583, 1596, 1610, 1632, 1641, 1684)  die Hauptquelle im Hinblick auf den Katholizismus allgemein und wurde dort somit der zentrale Text für den protestantischen Anti-Katholizismus.                         

Freitag, 17. September 2010

1. Teil: Katholiken in England: Von der Reformation bis zu den ,Relief Acts'

Katholiken oder „Papisten“ mussten in England seit der Reformation bis zum Emancipation Act im Jahre 1829 viele gesetzliche Nachteile in Kauf nehmen. Am Anfang werden von mir die Gesetze gegen Katholiken in der Herrschaftszeit von Königin Elizabeth I beleuchtet. Obwohl sich unter Henry VIII (1509-1547) zu Beginn der 1530er die englische Kirche von Rom trennte und diese Entscheidung die ersten katholischen Märtyrer (z.B. Sir Thomas More und Kardinal John Fisher) forderte, sollte man bedenken, dass nach Edward VI (1547-1553; à Henrys einziger Sohn von seiner dritten Ehefrau Jane Seymour) Henrys Tochter Mary I (à aus erster Ehe mit Katharine of Aragon) an die Macht kam, die England wieder zu einem katholischen Land machen wollte. Nach der kurzen Herrschaft von Mary I (1553-1558) bestieg die von Henrys zweiter Ehefrau (àAnne Boleyn) geborene Elizabeth I (1558-1603) den Thron. Die letzte Monarchin der berühmten Tudor-Dynastie etablierte schließlich die eigenständige Church of England mit dem König oder der Königin an der Spitze.
Schon die wieder eingeführte Suprematsakte (Act of Supremacy; 1558/59) brachte mehrere Kleriker und die katholischen Bischöfe aus der Herrschaftszeit von Mary I dazu ihre Position aufzugeben. Dieses Gesetz schrieb nämlich vor, die Königin in den von ihr beherrschten Gebieten als absolute Autorität in geistigen, kirchlichen sowie weltlichen Dingen anzuerkennen und keinem ausländischen Machthaber Gefolgschaft zu leisten. Anfangs waren nur öffentliche und kirchliche Amtsträger zum so genannten Oath of Supremacy verpflichtet, bevor später (1562/63) außerdem die Mitglieder des Parlaments, niedere Amtspersonen und Universitätsstudenten dazu aufgefordert wurden. Eine Verweigerung war dann auch ein Akt des Hochverrats. Zusammen mit dem oben erwähnten Gesetz trat die Uniformitätsakte (Act of Uniformity) in Kraft. Dadurch wurde jedem in England die Pflicht auferlegt mindestens einmal die Woche die Kirche zu besuchen. Bei Nichtbeachtung war ein Bußgeld von 12 pence (à nach heutigen Maßstäben wären das etwas mehr als £11) fällig. Die Uniformitätsakte forderte darüber hinaus den Klerus zum Gebrauch des Book of Common Prayer in allen Gottesdiensten auf. Ansonsten hatten die Priester mit Geld- und Gefängnisstrafen zu rechnen. Jedoch wurden erst noch keine spezifischen Bestimmungen gegen die katholische/lateinische Messe verfasst, was sich aber mit einem Gesetz aus dem Jahre 1563 änderte. Hiernach konnten die katholische Messe zelebrierenden Priester und die an dieser Messe teilnehmenden Laien mit dem Tode bestraft bzw. letztere mit einer beträchtlichen Geldstrafe bedacht werden. Im selben Jahr erschienen auch die Neununddreißig Artikel (The Thirty-Nine Articles of Religion). Sie enthalten die anglikanischen Glaubensgrundsätze und definieren damit den Anglikanismus. Auf der einen Seite hat man dadurch versucht viele Elemente sowohl aus dem Katholizismus als auch dem Protestantismus zu übernehmen bzw. einen Mittelweg zwischen den beiden Konfessionen aufzuzeigen, während man auf der anderen Seite natürlich bemüht war sich klar abzugrenzen und sich als eigenständige Konfession zu begründen.