Donnerstag, 28. Oktober 2010

Zanderfilet

Wahrscheinlich kennen viele katholische Blogger Hans Conrad Zander. Die meisten seiner Bücher über die Kirchengeschichte sind amüsant und einfach klasse. Im Folgenden wird ein Auszug aus seinem Buch Die emanzipierte Nonne: Gottes unbequeme Freunde präsentiert. Es geht passenderweise um den Hl. Filippo Neri.
Filippo Neri: Die Lust, fromm zu sein
„…Dieser Heilige hatte die wunderbare Fähigkeit, an drei verschiedenen Orten gleichzeitig zu sein. Heißt das, dass Filippo Neri einer von jenen komischen Heiligen ist, die die Menschheit zum Narren halten? Ja und nein. Über die Welt lustig gemacht hat er sich sein Leben lang. Aber ein echter Heiliger ist er trotzdem. Dafür gibt es einen unfehlbaren Beweis: Der Papst hat ihn heiliggesprochen. Und das hätte er bestimmt nicht getan, wenn es sich irgend hätte vermeiden lassen. Den größten Spaß hatte Filippo Neri nämlich daran, sich über den päpstlichen Hof lustig zu machen. Und das unter der Nase des Heiligen Vaters. Mitten in Rom.“ (9)

Wenn ihr weiterlesen wollt, folgt bitte diesem link. Leider ist der Text etwas unvollständig. Trotzdem gibt er einen lebendigen Einblick in das Leben dieses Heiligen. Das ganze Buch ist zwar älter, wurde jedoch im Jahre 2007 neu aufgelegt. 

Back for good

Hier bin ich wieder nach längerer Zeit. Jetzt kann es weiter gehen!

Freitag, 24. September 2010

John Foxe’s Book of Martyrs

Eines der populärsten Werke neben der Englischen Bibel sowie dem Book of Common Prayer  im England des 16. und 17. Jahrhunderts war mit Sicherheit das Book of Martyrs von John Foxe (1516-87). Dieses Buch übte einen starken Einfluss auf die damaligen Menschen aus und prägte das nationale Bewusstsein. Viele Protestanten verehrten es sogar als „heiliges Buch“, dessen formaler Titel eigentlich Actes and Monuments of these Latter and Perillous Dayes, Touching Matters of the Church ist and welches zum ersten in England im Jahre 1563 erschien. Interessanterweise wurde dieses Buch neben der Bibel an vielen öffentlichen Orten (Kathedralen, Kirchen, Schulen, Bibliotheken und Gilde- oder Zunfthäusern) ausgelegt. In dem Buch selbst finden sich eine Menge Holzschnitte und eine Vielfalt an Genres wie z.B. Martyrologien, Gedichte, Reden, Traktate, Biographien, historischen Dokumente, spirituelle/religiöse Texte, und Briefe. Man kann das Werk von Foxe also als eine Art Sammlung bezeichnen. Foxe ist der ,Hauptautor’ oder Zusammensteller, wobei er dabei sicherlich viele Helfer hatte. 
Der in Oxford ausgebildete John Foxe offenbarte schon in den 1540er Jahren sehr starke protestantische bzw. evangelikale Ansichten und arbeitete u. a. als Privatlehrer, bevor er nach der Thronbesteigung der Katholikin Mary I auf den Kontinent flüchtete. Dort verfasste er eine erste Rohfassung seines bekannten Werkes auf Latein. In dieser Fassung werden die Geschichte der Reformation oder der reformatorischen Bemühungen in England geschildert (à von John Wyclif und den Lollards bis in die Zeit der englischen Reformation). Später veröffentlichte sein Verleger John Day in England die erste Ausgabe in Englisch. Sie war wesentlich umfangreicher und beinhaltete auch die Märtyrergeschichten zahlreicher Protestanten während der Regentschaft von Mary I in den Jahren 1553-58. Als Foxe in den Herrschaftsjahren von Elizabeth I in sein Heimatland zurückkehrte, trat er dem geistlichen Stand bei. Zwar wies er immer sehr extreme protestantische und anti-katholische Tendenzen auf, sprach sich aber – im Gegensatz zu vielen Geistlichen und weltlichen Herrschern im 16. Jahrhundert – strikt gegen die Verbrennung selbst von sturen Häretikern aus. Ein Beispiel dafür war sein erfolgloser Versuch in Form von Briefen (u. a. an die Königen persönlich), die Verbrennung von ein paar Anabaptisten zu verhindern.  
The Book of Martyrs beginnt mit einer Darstellung über frühe christliche Märtyrer, einer kurzen oder eigenwilligen Geschichte über die mittelalterliche Kirche sowie einer Ausführung über die Lollards. Anschließend wird über die Regentschaften von König Henry VIII und seinem Sohn Edward VI berichtet. Die Abspaltung der englischen Kirche von Rom wurde bekanntlich in dieser Zeit initiiert. Danach schildert das Buch die Verfolgung von Protestanten durch Marys Regime. Um das schreckliche Schicksal der verfolgten Protestanten bzw. der protestantischen Opfer möglichst anschaulich darzulegen, verwendet Foxe offizielle Unterlagen von ihren Prozessen, Berichte von Protestanten in Bezug auf ihre Verhaftungen und die Verhöre gegen sie, Briefe der getöteten protestantischen Menschen und Augenzeugenberichte über die Verbrennungen auf dem Scheiterhaufen. Die umgebrachten Menschen werden auf diese Weise natürlich zu Märtyrer ihres protestantischen Glaubens. Da das von der Elizabethanischen Regierung geförderte Buch – wie oben beschrieben – außerdem an öffentlichen Orten für die Allgemeinheit zugänglich gemacht wurde, änderte sich auch das Konzept der Heiligenverehrung. The Book of Martyrs  wurde nach dem Bildersturm der Reformatoren in einem gewissen Sinne zur symbolischen Reliquie, welche für die Nachwelt die heldenhaften Taten dieser sich für ihren Glauben aufopfernden Männer und Frauen aufbewahrt und gemäß der reformatorischen Kampagnen Heiligkeit mit der frühchristlichen Vorstellung des Martyriums als Zeugnis des Glaubens gleichsetzt. Dazu trugen auch die sich im Buch befindenden Illustrationen oder Holzschnitte bei. Diese zeigen zusammen mit den Dokumenten anders als die traditionellen Heiligenikonen häufig normale Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und Lebensbereichen inmitten ihres Martyriums. Auf den ersten Blick ist der Gebrauch von solchen anschaulichen Bildern in dem Werk eines überzeugten Protestanten aus dem 16. Jahrhundert ungewöhnlich. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass die frühen Reformatoren in erster Linie den angeblichen Missbrauch von Bildnissen anprangerten. Die detaillierten Illustrationen in The Book of Martyrs  repräsentieren darüber hinaus eine in damaliger Zeit typisch protestantische Überzeugung: Der durch die Hl. Schrift überlieferte Glaube gibt gewöhnlichen Individuen die Kraft trotz der Konfrontation mit Schmerzen, Leiden und Tod ihren Glauben zu bezeugen und somit als Vorbild für andere Gläubige zu dienen.
Insgesamt ist Foxes Buch nicht nur ein beabsichtigter Gegenentwurf zur traditionellen Sammlung zum Leben und Wirken von Heiligen (à The Golden Legend), sondern veranschaulicht außerdem die schrecklichen Leiden der protestantischen Märtyrer (à Selbst Elizabeth I integriert Foxe geschickt, wenn er sich auf die Märtyrer bezieht. Im Buch wird sie durch die Vorsehung von einer Gefangenen in Marys Herrschaftsjahren zur mächtigen Königin. Tatsächlich kerkerte man Elizabeth nach der Wyatt’s Rebellion im Jahre 1554 im Tower of London ein.) unter dem Regime der Katholikin Mary I und die damit verbundenen Grausamkeiten. Marys Regentschaft wird also als ein prototypisches Beispiel für päpstliche Tyrannei gesehen. Zusätzlich weist das Buch dem Katholizismus generell noch die üblichen Merkmale oder Klischees zu, wie Edward Norman in seinem Buch Roman Catholicism in England (1985) erkennt. So ist diese Konfession für Foxe von Natur aus korrupt, autoritär, fremdländisch und steht vor allem im absoluten Kontrast zur persönlichen Freiheit. Das genaue Gegenteil zum Katholizismus manifestiert sich selbstverständlich laut The Book of Martyrs  im Protestantismus. In diesem Kontext rechtfertigt es entschieden die Reformation, die neue „wahre“ Religion und beschreibt England wie Israel im Alten Testament als die von Gott auserwählte Nation. Passenderweise wird Elizabeth mit dem ersten christlichen Kaiser Konstantin verglichen. Zusammenfassend war das insbesondere bei Puritanern beliebte Buch von John Foxe für viele Leute in England über Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte (Editionen in England: 1563, 1570 („korrigierte“ Ausgabe nach Protesten u. a. von katholischen Lesern), 1576, 1583, 1596, 1610, 1632, 1641, 1684)  die Hauptquelle im Hinblick auf den Katholizismus allgemein und wurde dort somit der zentrale Text für den protestantischen Anti-Katholizismus.                         

Donnerstag, 23. September 2010

Heute nicht! Aber morgen!

In den letzten Tagen bin ich nicht so zum bloggen gekommen.  Morgen werde ich aber anfangen einige bekannte und einige nicht so bekannte Episoden oder Details der englischen Reformation zu präsentieren.

Sonntag, 19. September 2010

Weiterer Ablauf

Die Reihe "Katholiken in England..." wird in den nächsten Tagen natürlich fortgesetzt. Außerdem sollen in diesem Zusammenhang einige Aspekte, Persönlichkeiten und Ereignisse der englischen Reformation genauer beleuchtet werden.

Birmingham und die Letzten Stationen der Diesjährigen Papstreise in Großbritannien

Nun muss man noch Birmingham unter die Lupe nehmen. Zu Beginn dieses Eintrags sei angemerkt, dass Benedikt XVI auf seiner Reise ausschließlich Orte in Großstädten bzw. Metropolen besucht. Um es klarer auszudrücken: Die Reisestationen des Papstes sind/waren alle jeweils innerhalb der erst- und zweitgrößten Städte Englands (London, Birmingham) und Schottlands (Glasgow, Edinburgh). Birmingham gewann speziell in der Industriellen Revolution an Bedeutung. In dieser Phase entwickelte sie sich nicht nur zu einem beachtlichen Industriezentrum, sondern auch zu einem ökonomischen Zugpferd. Gegenwärtig ist die Wirtschaft in der Metropole der Region West Midlands – was die Städte angeht – die zweitgrößte hinter der englischen Hauptstadt. Aufgrund ihrer größtenteils bedeutenden Wirtschafts-, Wissenschafts-, und Innovationsgeschichte hat die Stadt darüber hinaus u. a. die Bezeichnungen „Workshop of the world“ oder „city of a thousand trades“ erhalten. Natürlich wurden im Laufe der Zeit einige übliche Veränderungen im Wirtschaftsleben sichtbar. Im Gegensatz zu vergangenen Epochen zeigt sich die bevölkerungsreichste Stadt nach London heute eher als ein Dienstleistungs- und Wissenschaftsstandort und nicht mehr so sehr als eine Industriemetropole, obwohl einige Bezirke von einer hohen Arbeitslosenquote gebeutelt sind.
Ein Blick auf die Bevölkerungsstruktur von Birmingham bezüglich der Religionszugehörigkeit ist relativ aufschlussreich. Nach einer statistischen Erhebung im Jahr 2001 rechnen sich knapp 60% der Bewohner den christlichen Gemeinschaften zu. Daneben lassen sich ebenfalls viele Nichtgläubige und andere Religionsgemeinschaften oder Mitglieder anderer Religionen (Buddhisten, Hindus, Juden, Sikhs und Heiden) identifizieren. In diesem Zusammenhang ist die hohe Prozentzahl von Muslimen auffällig (ca. 15%; Es existieren über 200 Moscheen in der Stadt.). Die muslimischen Gemeinschaften sind sehr vielfältig und setzen sich einerseits aus in Großbritannien geborenen Muslimen sowie Menschen aus verschiedenen Erdteilen (Afrika, Ost- und Südeuropa, Asien usw.) zusammen.
Für Katholiken dürften in Birmingham auch viele Stätten von hohem Interesse sein, denn hier wurde z.B. im Jahr 1850 die erste katholische Kathedrale – St. Chad’s Cathedral – seit der Reformationszeit eingeweiht (à in den Jahren 1839-41 als Kirche errichtet). Ein weiter nennenswerter Ort ist Oscott. Als die Zeit der Verfolgung in England vorbei war, wurde dort schon Ende des 18. Jahrhunderts das St Mary’s College/Oscott College gegründet (à Station der Papstreise), das noch heute das katholische Priesterseminar der Erzdiözese Birmingham ist. Mit Birmingham assoziiert man aber insbesondere Kardinal Newman. Dieser rief in der Metropole der Region West Midlands das erste englische Oratorium – The Birmingham Oratory (à unter dem Namen ‚Oratory of St Philip Neri’ bekannt; eine andere Station des letzten Tages des Staatsbesuchs von Papst Benedikt XVI) ins Leben. Der ehrwürdige Kardinal ist heute vom deutschen Papst im Verlauf einer Hl. Messe in einem der vielen Parks von Birmingham – dem Cofton Park – selig gesprochen worden.

Das war mein Überblick der Papstreise in Großbritannien. Ich hoffe, man konnte einige informative Dinge erfahren.

Samstag, 18. September 2010

Westminster Cathedral und Hyde Park

Trotz der vielen Unterschiede zwischen dem jetzigen Staatsbesuch von Papst Benedikt XVI und der Papstreise von Johannes Paul II im Jahre 1982, gibt es einige Parallelen. So zelebrierten der frühere Pontifex sowie sein Nachfolger die Heilige Messe im Bellahouston Park der schottischen Stadt Glasgow und der katholischen Westminster Cathedral von London. Der Ende des 19. Jahrhunderts eröffnete Park war mir bisher keine Zeile in den Einträgen wert. Weil mir die Beschreibung der anderen Lokalitäten auf der Papstreise wichtiger war, habe ich den Bellahouston Park vernachlässigt, was allerdings nicht die generelle Bedeutung des Parks schmälern soll (à Hier fand u. a. die Empire Exhibition im Jahr 1938 statt.). Außerdem werde ich nichts zu den Gesprächen zwischen dem Papst und den hohen Regierungsvertretern im Haus des Erzbischofs in Westminster schreiben. Zu den anderen heutigen Stationen des Papstes – Westminster Cathedral, der St Peter's Residence for the elderly und dem Hyde Park – möchte ich aber einige Sätze verfassen.   
Die Westminster Cathedral wurde in den Jahren 1896-1903 erbaut, nachdem Cardinal Manning im Jahre 1884 das dafür vorgesehene ehemalige Gefängnisgrundstück erworben hatte. Man hat mit der Grundsteinlegung die Kathedrale dem Heiligen Blut Christi und außerdem der Gottesmutter, dem Hl. Joseph und dem Hl. Petrus geweiht. Weitere Patronen sind St Augustine, St Patrick und alle britischen sowie irischen Heilige. Hier könnt ihr noch andere Informationen zur Geschichte und zur Architektur erfahren. Schöne Bilder sind auch zu sehen!
Wenig muss man über The Little Sisters of the Poor der St Peter’s Residence for the elderly (à Das alte Gebäude wurde im Jahr 1984 durch ein neues ersetzt.) sagen. Sie erfüllen seit 1851 in England bzw. seit 1863 an diesem Ort in London (Vauxhall) eine der ehrwürdigsten Aufgaben, indem sie sich um die verarmten älteren Menschen kümmern. Deshalb werde ich nun zum Hyde Park kommen. Der an den Kensington Gardens angrenzende Hyde Park hat eine Fläche von über 1,4 km und ist damit einer der größten Parks im Zentrum der englischen Hauptstadt. Henry VIII nutzte dieses von den Kanonikern in der Westminster Abbey abgekaufte Grundstück als Jagdrevier, bevor es in der Stuart-Dynastie zu einem öffentlichen Park erklärt wurde. In dem durch den Fluss Serpentine getrennten Park kann man auch die Speakers’ Corner aufsuchen, wo „normale“ und skurrile Leute über ein beliebiges Thema reden, debattieren oder streiten dürfen. Übrigens war in einem Teil des königlichen Parks oder in seiner Umgebung die berüchtigte Hinrichtungsstätte Tyburn (à Z.B. Edmund Campion erlitt dort das Martyrium). Heute Abend hat Papst Benedikt im Hyde Park eine Gebetswache für Kardinal Newman (1801-1890) gehalten. Der zum katholischen Glauben konvertierte Engländer wird morgen selig gesprochen.